Seit gestern findet die alljährliche Google I/O statt, die von Sundar Pichai mit dem Slogan "From Mobile First to AI First" eingeleitet wurde.

Google.ai ist Dreh- und Angelpunkt dieser Entwicklung. Auf dieser Plattform für künstliche Intelligenz entstehen neuronale Netzwerke, welche mittlerweile selbst in der Lage sind, eigenständig Netze zu bilden (Automatic Machine Learning). Die hierfür verwendeten Tensor Processing Units (TPU) lassen sich demnächst als Cloud-Dienst mieten, wo sie im Verbund eine erstaunliche Rechenkraft von bis zu 11,5 Petaflops erreichen. Interessenten können sich vorab hier für diesen Dienst anmelden.
Das letztjährige Buzzword Machine Learning wird dieses Jahr mit der Augmented Reality verknüpft, um unter anderem Objekte auf (Bewegt-)Bildern zu erkennen. Praxisrelevant wird diese Technologie voraussichtlich, sobald Google Lens erscheint und die Kameras unserer Smartphones mit Deep Learning ausstattet.

 
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Für Endanwender wurden der Chromecast Ultra sowie neue Virtual Reality- bzw. Daydram-Geräte vorgestellt. Neben dem LG V30, Asus ZenFone AR kündigte man auch ein Standalone-VR-Headset an, welches von Google in Zusammenarbeit mit HTC und Lenovo entwickelt wird und ohne Kabel auskommt, weil die komplette Hardware direkt im Headset verbaut ist.

Android O erhält seine zweite Preview, welche die auf der Konferenz vorgestellten Features wie Picture-in-Picture, Notification Dots, Autofill for Google und Smart Text Selection vorführt. Die Machine Learning-Bibliothek Tensorflow erhält mit Tensorflow Lite einen mobilen Ableger samt API, welcher lokal läuft und direkt ins Betriebssystem integriert wird. Android O Preview 2 ist ab sofort öffentlich erhältlich für alle Pixel- und Nexus-Geräte der letzten Generation. Eine Migrationsanleitung bereitet uns Entwickler auf die ab Juni finalen APIs und schlussendlich auf die im Herbst erscheinende finale Version des mobilen Betriebssystems vor. 

Firebase wird seit seinem Auftritt auf der letztjährigen Google I/O kontinuierlich ausgebaut und von uns bereits in mehreren Projekten mit hoher Zufriedenheit genutzt. Firebase Performance Monitoring soll die Nutzererfahrung weiter verbessern, indem es Schwachstellen aufdeckt und dem Entwickler so hilft, die Performance und Stabilität seiner Apps zu verbessern. Dass Google den Blick über den Tellerrand nicht scheut, bestätigt der verbesserte Support für Swift und den Apple Push Notification Service. Die Akquisition von Fabric im Januar hinterlässt ebenfalls ihre Spuren, da einerseits Crashlytics nun als primäres Crash Reporting Tool und andererseits die Authentifizierung via Telefonnummer übernommen werden sollen. Ach ja, Firebase Analytics heißt nun Google Analytics for Firebase.

Vitals beschreibt eine Initiative, die sich aus den Punkten Sicherheit, Performance und Entwicklertools zusammensetzt. Hierfür wurde mit Google Play Protect ein Virenscanner direkt in den Play Store integriert, welcher Nutzer sensibilisieren und die Verbreitung von schädlichen Apps erschweren soll. Die Startzeit von Apps konnte mit Android O auf die Hälfte reduziert werden, ohne dass diese vom Entwickler vorher angepasst werden müssen.

Android Studio 3.0 steht ab sofort als Preview zum Download bereit. Das Grundgerüst wurde von IntelliJ 2016.2 auf 2017.1.2 angehoben, wodurch der Java 8-Support noch weiter ausgebaut und der Jack Compiler zu Grabe getragen wird. Weiterhin wird der Android Monitor vom neuen Android Profiler abgelöst. Android Instant Apps sind nun öffentlich verfügbar und erlauben es Nutzern ab Android 6.0, Apps ohne vorherige Installation zu verwenden.  Die Abwärtskompatibilität bis hin zu Lollipop folgt in Kürze.

Unser persönliches und professionelles Augenmerk gilt allerdings Kotlin, welche ab sofort und offiziell als zweite Programmiersprache für Android unterstützt wird. Die vom russischen Studio JetBrains entwickelte statisch typisierte Sprache wurde 2011 vorgestellt und 2016 in der Version 1.0 veröffentlicht. Dementsprechend moderne Features bringt sie mit sich, die wir bereits von Apples hauseigener Programmiersprache Swift kennen und lieben: Extensions, Optionals, Lambdas, Named Parameters, Default Arguments, Type Inference - sowie zusätzliche Kniffe wie When Statements oder Smart Casts. Dabei bleibt Kotlin interoperabel zu Java-Code und kann somit leicht und peu à peu Einzug in bestehende Projekte erhalten.

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